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Geschrieben von Joe am 01.10.2011 um 15:25:

  Höhere Strafsätze in Dänemark

Das Überschreiten der Verkehrsregeln kommt den Autofahrern in Dänemark um einiges teurer zu stehen als in Deutschland. Während die deutschen Strafen für kleinere Vergehen zwischen 15 und 40 Euro liegen, muss ein Autofahrer in Dänemark für die gleichen Vergehen mindestens 500 Kronen (67 Euro) hinblättern. Das ist der geringste Betrag aus dem dänischen Bußgeldkatalog.

Punkte in Deutschland

In Deutschland werden die meisten Überschreitungen der Verkehrsregeln in Punkten im Zentralen Verkehrsregister im Kraftfahrtbundesamt (KBA) in Flensburg registriert. Gewöhnliche und minder schwere Vergehen werden mit bis zu 40 Euro und ein bis vier Punkten bestraft. Für größere Strafvergehen kassiert der Autofahrer jedoch zwischen fünf und sieben Punkte. Hat ein Autofahrer zwischen acht und dreizehn Punkte, bekommt er eine Verwarnung vom KBA und ein Angebot, freiwillig an einem sog. Aufbauseminar teilzunehmen. Bei 14-17 Punkten muss ein Autofahrer an so einem Seminar teilnehmen, außerdem bekommt er das Angebot einer verkehrspsychologischen Betreuung. Bei 18 Punkten wird dem Verkehrsünder die Fahrerlaubnis entzogen. Punkte für gewöhnliche, minderschwere Vergehen verfallen nach zwei Jahren wieder. Punkte aus Strafvergehen, die sich nicht auf Alkohol-oder Drogenvergehen beziehen, werden in dem Zentralregister nach fünf Jahren gelöscht. Punkte aus Strafvergehen in Verbindung mit Alkohol oder Drogen werden erst nach zehn Jahren gelöscht - vorausgesetzt, dass der Autofahrer in der Zwischenzeit keine weiteren Vergehen diesbezüglich begangen hat.

Klippekort in Dänemark

In Dänemark wurde im Jahr 2005 eine ähnliche Ordnung eingeführt, die sogenannte Klippekort. Gesetzüberschreitungen im Straßenverkehr, die von der Verordnung eingeschlossen sind, werden mit einem Klip auf der Karte registriert - dies ist vergleichbar mit einem Punkt in Deutschland. Ein Klip bleibt drei Jahre bestehen, danach verfällt er. Hat ein Autofahrer innerhalb dieser drei Jahre bis zu drei Klips "gesammelt", wird dem Fahrer mit dem dritten Klip zugleich auch die Fahrerlaubnis entzogen. Um diese wieder zu erlangen, muss der Fahrer eine Fahrprüfung ablegen und bestehen. Je nach Anzahl und Art von Gesetzesüberschreitungen kann die Fahrerlaubnis auch auf unbestimmte Zeit und ohne Bewährung entzogen werden. Sollte beispielsweise ein Fahranfänger innerhalb der ersten drei Jahre nach der bestandenen Fahrprüfung zwei Kilps auf seiner Karte haben, droht diesem ein Fahrverbot. Zu Klips führen unter anderem: Fahren über eine rote Ampel, Geschwindigkeitsüberschreitungen mit mehr als 30 Prozent, "englisches Wenden" an unerlaubten Stellen, zu dichtes Auffahren auf den Vordermann oder Übersehen der Vorfahrt.

Auf beiden Seiten der Grenze

Weder gibt es in der Europäischen Union ein gemeinsames Verkehrsrecht noch einen gemeinsamen Bußgeldkatalog. Jedes Land hat sein eigenes System bezüglich Verkehrsvergehen ins Leben gerufen und seine eigenen Strafsysteme aufgebaut - mit allen Vor-und Nachteilen, die diese mit sich führen. Ein Däne, der sich in Deutschland nicht an die Verkehrsregeln hält, muss daher nach deutschem Satz die Strafe zahlen, erhält jedoch weder einen Punkt in Deutschland noch einen Klip in Dänemark. Im Ausland registrierte Fahrzeuge sind nämlich in der deutschen Verkehrssünderkartei nicht registriert. Und von dänischer Seite gesehen wurde das Vergehen im Ausland begangen und ist somit nicht relevant für einen Klip. Das gleiche gilt für deutsche Autofahrer, die in Dänemark erwischt werden. Zwar werden diese zur Kasse gebeten, einen Klip oder Punkt müssen sie jedoch nicht fürchten. Für beide Länder gilt, dass Ausländer die Geldstrafe auf der Stelle zahlen müssen. Sollten die Fahrer dazu nicht in der Lage sein, verlangt die Polizei die eine oder andere Form von Sicherheit. In Dänemark zögert die Polizei nicht damit, das Auto zu beschlagnahmen, gleichgültig, ob es sich um Alkohol am Steuer oder um eine Geschwindigkeitsüberschreitung handelt. Die deutsche Polizei hingegen macht keinen Gebrauch von diesen Maßnahmen, zumindest nicht, wenn es sich um kleinere Vergehen und Beträge handelt. Dann werden zu erbringende Sicherheitsleistungen in der Regel am zu erwartenden Bußgeld bemessen. "Das kann zum Beispiel eine Armbanduhr oder ein anderer wertvoller Gegenstand sein, den der Fahrer dabei hat. Das Auto zu konfeszieren wäre für die Höhe der meisten Bußgelder unrealistisch", sagt Michael Hocke von der Flensburger Verkehrspolizei.

Führerschein in Gefahr?

Die fehlende Harmonisierung der Verkehrsregeln in Europa führt dazu, dass die Fahrerlaubnis in anderen EU-Ländern nicht aberkannt werden kann. In einigen Fällen jedoch, besonders, wenn es sich um Drogen-und Alkoholdelikte handelt, können die Behörden ein Fahrverbot aussprechen oder aber zwischenzeitlich den Führerschein einziehen. Ein Däne, der zum Beispiel mit Drogen hinter dem Steuer erwischt wird, risikiert nicht nur eine Geldstrafe, sondern auch, dass der Führerschein von der Polizei einbehalten und ihm ein Fahrverbot auferlegt wird. Der Führerschein sowie eine Beschreibung des Sachverhaltes werden dann an die zuständige Verkehrsbehörde weitergeleitet, die im Anschluss über das Strafmaß, die Höhe der Geldstrafe und einen eventuelles Fahrverbot in Deutschland entscheidet. Bei Strafvergehen leitet die Behörde den Fall an die Staatsanwaltschaft weiter, diese entscheidet dann über eine Anklage und ein eventuelles Gerichtsverfahren. Der Führerschein wird zurück nach Dänemark geschickt, sobald der Strafrahmen festgelegt wurde. Dies kann jedoch einige Wochen dauern. Ein nationales Fahrverbot in Deutschland hindert den Fahrer jedoch nicht daran, sich in seinem Heimatland weiter hinter das Steuer zu setzen. Auch in anderen Ländern gilt dieses Fahrverbot nicht.

Strafen im Norden und Süden

In Dänemark sind die Strafen für Verstöße gegen die bestehenden Verkehrsregeln deutlich höher als beispielsweise in Deutschland. Hier sind einige Beispiele: Fährt man in Dänemark über eine rote Ampel, muss der Autofahrer mit einer Geldstrafe in Höhe von 1000 Kronen (135 Euro) sowie einem Klip in der Klippekort rechnen. In Deutschland ist es entscheidend, wann man über die rote Ampel gefahren ist. Sollte ein Autofahrer die rote Ampel innerhalb der ersten Sekunde nach dem Umschalten von gelb auf rot überfahren, dann kostet dies 50 Euro und drei Punkte in der Verkehrssünderkartei. Dauerte die Rotphase bereits mehr als eine Sekunde, kostet dies 125 Euro, vier Punkte und einen Monat Führerscheinentzug. Das Handy hinter dem Steuer zu benutzen, wird in Dänemark mit 500 Kronen (67 Euro) bestraft, in Deutschland kostet dieses Vergehen den Autofahrer 40 Euro und einen Punkt in Flensburg. Südlich der Grenze ist es übrigens bereits ein Vergehen, das Handy hinter dem Steuer zu benutzen, sobald der Motor eingeschaltet ist. Hier reicht es auch nicht, zur Seite zu fahren und anzuhalten. Der Motor muss ausgeschaltet sein, erst dann darf der Fahrer das Handy benutzen. Allerdings ist es Autofahrern in beiden Ländern erlaubt, das Handy via einer Freisprechanlage zu benutzen. Wird ein Autofahrer in Dänemark mit abgenutzten Reifen erwischt, kostet dies 500 Kronen (67 Euro) pro abgenutztem Reifen, das bedeutet bis zu 269 Euro. Südlich der Grenze kostet so ein Vergehen 50 Euro, gleichgültig, ob lediglich ein Reifen oder alle vier abgenutzt sind. Hinzukommen jedoch drei Punkte in der Verkehrssünderkartei. Sollte die Polizei herausfinden, dass die Hupe oder die Bremsen an dem Auto nicht richtig funktionieren, kostet dies in Dänemark mindestens 500 Kronen (67 Euro), je nachdem, wie viele Mängel gefunden werden. In Deutschland hingegen muss der Fahrer 50 Euro zahlen und bekommt drei Punkte in Flensburg.

Direkt in den Mülleimer

Bußgeldforderungen, die nicht auf der Stelle von der Polizei erhoben werden - zum Beispiel, wenn man geblitzt wurde oder falsch geparkt hat - landen nicht selten direkt im Mülleimer der Behörden. Das ist deshalb so, weil der grenzüberschreitende Arbeitsaufwand, der viel mit Nachforschungen, Ermittlungen, Ermahnungen etc. zu tun hat, nur selten der Höhe der Strafe gerecht wird. "Laut einem EU-Abkommen aus dem Jahr 2005 können die Mitgliedstaaten entgangene Strafen aus anderen Ländern von ihren Staatsbürgern einfordern und dürfen im Gegenzug das Geld behalten. Die wenigsten EU-Länder haben jedoch bislang dieses Abkommen in ihre nationalen Gesetze eingebunden. In der Praxis wird diese Möglichkeit somit kaum genutzt", so Verkehrspolizist Michael Hocke aus Flensburg. "Darüber hinaus gilt das Abkommen nur für Bußgelder, die 70 Euro überschreiten. Davon haben wir nicht so viele im deutschen Bußgeldkatalog. Wir sind einfach zu billig", sagt er.

Alkohol am Steuer in Dänemark

1.Verstoß:

Entzug der Fahrerlaubnis

0,51-1,2 Promille: Entzug mit Auflagen.
Über 1,2 Promille: bedingungsloser Entzug für mindestens drei Jahre

Eine Geldstrafe

0,51-2,0 Promille: Nettomonatseinkommen x Promillewert.
Über 2,0 Promille: 20 Tage Gefängnis auf Bewährung und eine Geldstrafe von einem Nettomonatslohn

Alkohol-und Verkehrsschulung

4x2 1/2 Stunden (Kosten: ca.2000 Kronen)

2. Verstoß:

Gefängnisstrafe

0,5-2,0 Promille: Mindestens zehn Tage Bewährungsstrafe.
Über 2,0 Promille: 30 Tage Gefängnis auf Bewährung

Bedingungsloser Entzug der Fahrerlaubnis

0,5-1,2 Promille: Drei Jahre
Über 1,2 Promille: Fünf Jahre

Eine Geldstrafe

Ein monatliches Nettoeinkommen

Alkohol-und Verkehrsschulung

4x2 1/2 Stunden (Kosten: ca. 2000 Kronen)

3. Verstoß:

Gefängnisstrafe

0,51-2,0 Promille: mindestens 20 Tage Gefängnis ohne Bewährung
über 2,0 Promille: Mindestens 40 Tage Gefängnis ohne Bewährung

Eine Geldstrafe

Ein monatliches Nettoeinkommen

Bedingungsloser Entzug der Fahrerlaubnis

0,51 -1,2 Promille: fünf Jahre
über 1,2 Promille: zehn Jahre

Alkohol- und Verkehrsschulung

4x2 1/2 Stunden

Wird der Fahrer bereits drei Mal zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren auf Grund eines Promillewertes von mehr als 1,21 verurteilt, führt dies zu einer Beschlagnahmung des Autos. Der Wagen wird dadurch zu staatlichem Eigentum.


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